Radfahren im Winter: Entweder richtig – oder gar nicht.
Winterradeln scheitert selten an Kälte. Die schlechte Vorbereitung oder der Kopf sind der Grund dafür.
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Lisa Augustin
Genussbikerin
Zuletzt geändert:07.01.26
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"Meine erste Winterfahrt war ein kompletter Fail."
Lisa
Meine erste richtige Winterfahrt war am zweiten Weihnachtsfeiertag 2016.
Motivation war da. Vorbereitung nicht.
Wir waren mit einer Gruppe zum Fahrradfahren verabredet und ich dachte: „Klar, fahr ich draußen. Ist ja nur kalt.“
Winterausrüstung hatte ich keine. Also bin ich in meinen Adidas Superstars gefahren – nicht aus Stylegründen, sondern weil sie wenigstens winddicht waren. Obenrum war ich vogelwild angezogen inkl. Regenjacke. Dazu ne lange Wanderhose.
Dazu kam: viel zu schnell gefahren.
Ergebnis? Komplett verschwitzt, nasse Füße, eiskalte Hände. Der Fahrtwind hat mir den Rest gegeben. Diese Fahrt war alles – nur nicht entspannt.
Danach dachte ich ehrlich: Winterradeln? Nie wieder.
Warum ich trotzdem drangeblieben bin
Die Gruppe hat mich überredet, es nochmal zu probieren.
Mit Tipps. Mit geliehener Jacke. Mit Skibrille. Und mit dem Hinweis: Fahr langsamer. Guck auf deinen Puls!
Und genau da lag der Unterschied. Ich hab sogar noch ein altes Foto von früher – das ist ein paar Wochen nach meiner ersten Fahrt im Winter entstanden und ich war schon einigermaßen gut ausgerüstet und mit einem Lächeln im Gesicht.

Ich habe gemerkt: Nicht der Winter war das Problem, sondern ich.
Heute würde ich es anders machen. Ich würde vorher mit Leuten sprechen, die regelmäßig im Winter fahren, oder mich kurz einlesen. Einfach, um nicht komplett ahnungslos loszufahren.
„Und darum schreib ich auch diesen Blogbeitrag: Damit du es besser machen kannst!“
Lisa
Winter ist nicht kalt – Winter ist unberechenbar
Winter ist nicht eine Temperatur. Es ist eine ganze Jahreszeit.
Feuchtigkeit, Fahrtwind, Regen, Schnee, Eis, Glatteis, Streusalz, wechselnde Temperaturen – manchmal alles auf einer Fahrt.
Genau deshalb ist Fahrradbekleidung im Winter kein Style-Thema, sondern ein Funktionsthema. Keine Angst, die Style-Polizei traut sich im Winter eh nicht raus. ;-)

Kleidung im Winter: Zwiebelprinzip statt dick einpacken
Der größte Fehler: zu dick anziehen.
Dann schwitzen. Dann frieren.
Besser ist:
Funktionsschicht direkt auf der Haut
wärmende Zwischenschicht
wind- und wetterfeste Außenschicht
Eine Softshell-Jacke oder -Hose ist oft ideal. Beweglich, winddicht, atmungsaktiv. Dazu gehören:
warme Handschuhe
Mütze oder Stirnband unter dem Helm
Winterradschuhe oder Überschuhe

„Wenn du beim Losrollen leicht frierst und es dir nach fünf Minuten warm wird, bist du richtig angezogen.“
Lisa
Sichtbarkeit: Reflektoren, Beleuchtung, Helm
Im Winter wirst du schneller übersehen. Kurze Tage, schlechtes Wetter, nasse Straßen.
Deshalb:
funktionierende Beleuchtung vorne und hinten
Reflektoren an Kleidung, Rucksack oder Schuhen
ein Helm, der auch mit Mütze bequem sitzt (du kannst auch mit Skihelm fahren - hab ich auch schon gemacht)
Gerade auf dunklen Radwegen oder schlecht beleuchteten Straßen ist Sichtbarkeit keine Option, sondern Pflicht.

Reifen, Eis und rutschige Straßen
Im Winter entscheidet der Kontakt zur Straße. Mehr ist immer besser!
Winterreifen & Spikereifen
Breitere Winterreifen geben mehr Grip.
Bei regelmäßigem Eis oder Glatteis sind Spikereifen sinnvoll – besonders am Vorderrad, aber auch am Hinterrad.
Luftdruck
Etwas weniger Druck bedeutet mehr Auflagefläche und besseren Halt auf Schnee, Eis und nassen Straßen.
Rennrad im Winter?
Geht, aber mit Vorsicht. Schmale Reifen reagieren empfindlicher auf rutschige Bedingungen. Wer sich unsicher fühlt, fährt im Winter entspannter mit MTB oder Gravelbike.
Schutzbleche
Nasse Straßen, Schneematsch, Streusalz – ohne Schutzbleche bist du nach wenigen Minuten nass.
Sie schützen dich, dein Fahrrad und vor allem Antrieb, Schaltung und Lager vor unnötigem Verschleiß.
Kurz gesagt: Schutzbleche sparen Nerven und Geld.
Fahrweise im Winter: weniger Ego, mehr Gefühl
Im Winter gilt:
sanft anfahren
früh bremsen
Kurven weiter fahren
glatte Stellen ruhig überrollen (und niemals anhalten und absteigen wollen!)
Ein Gang leichter, eine Spur entspannter.
Fahrtechnik ist im Winter super wichtig.

Radwege oder Straße?
Nicht jeder Radweg ist im Winter sicher. Manche werden seltener geräumt und sind rutschiger als die Straße.
Augen auf, Situation einschätzen, flexibel bleiben. Sicherheit geht vor. Und wenn du aus Sicherheitsgründen mal die Straße nimmst, dann trag ’ne Warnweste und achte darauf, gut beleuchtet zu sein.
Warum eine Inspektion vor dem Winter Pflicht ist
Bevor du im Winter regelmäßig fährst, gehört eine Inspektion dazu. Punkt.
Bremsen, Licht, Reifen, Schaltung, Kette – im Winter muss alles funktionieren. Nässe, Kälte und Salz verzeihen keine Nachlässigkeit.
Bei ljB kannst du dein Fahrrad vor der Wintersaison checken lassen, damit:
- Bremsen zuverlässig greifen
- Beleuchtung funktioniert
- Reifen genug Grip haben
- Schaltung und Kette sauber laufen
Winterradfahren ohne Inspektion ist kein Abenteuer. Es ist unnötiges Risiko.
Pflege nach der Fahrt: Salz ist der Endgegner
Nicht Schnee oder Kälte machen dein Fahrrad kaputt, sondern Streusalz.
Nach Winterfahrten:
Fahrrad kurz abwischen
Salzreste entfernen
Fahrrad abtrocknen
Kette nachölen
bewegliche Teile checken
Fünf Minuten Pflege sparen dir Reparaturen.

E-Bike im Winter: Das musst du über den Akku wissen
E-Bikes funktionieren auch im Winter. Aber der Akku braucht Aufmerksamkeit.
Kälte reduziert die Leistungsfähigkeit. Das heißt: weniger Reichweite. Das ist ganz normal.
Wichtig:
Akku nach der Fahrt mit ins Warme nehmen
nicht draußen oder im kalten Keller laden
Akku erst bei Zimmertemperatur laden
vor der Fahrt erst einsetzen
Feuchtigkeit und Streusalz setzen Kontakten zu. Regelmäßige Reinigung verlängert die Lebensdauer von Akku und Motor deutlich.
„Zu kalt, zu nass, zu gefährlich“?
Ganz ehrlich: Es gibt zwei Möglichkeiten.
Entweder du fährst drinnen auf der Rolle oder dem Spinningrad.
Oder du probierst es draußen – richtig vorbereitet.
Wenn Ausrüstung, Fahrrad und Kopf passen, merkst du schnell: Winterradeln kann richtig Spaß machen. Ich würde draußen jederzeit vorziehen, wenn die Bedingungen stimmen.
Eine Stunde auf die Rauhfasertapete schauen kann man machen.
Ich mach’s nur, wenns keine andere Option gibt.
Little Reminder: Es kann auch Spaß machen!
Mittlerweile fahre ich im Winter am liebsten mit dem Mountainbike. Mehr Grip, mehr Kontrolle, entspannteres Gefühl auf rutschigen Straßen und Radwegen.
Und dann gibt es diese Fahrten:
Ein Feldweg im Wald, leicht mit Schnee überzogen. Keine Reifenspuren, nur ein paar Tierspuren. Es ist ruhig, vielleicht schneit es leicht, die Sonne kommt durch. Du hörst nur das Knarzen der Reifen unter dir.
Das ist keine Mutprobe.
Das ist Entspannung pur.
Es fühlt sich an, als ob du der erste Mensch wärst, der dieses schöne Fleckchen auf der Erde berührt.

Mehr über die Autorin
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Lisa Augustin
Genussbikerin
Ich bin Lisa Augustin aus dem Schwabenländle, 31 Jahre jung, und ohne Kaffee läuft hier gar nichts. Früher Softwareentwicklerin, heute SEO-Expertin mit eigenem Fahrradblog (LisasBunteWelt). Ich fahre alles mit Pedalen – ob Rennrad, Gravelbike, Hardtail, Fully oder Indoor auf der smarten Rolle – einfach, weil es mir Spaß macht und ich beim Radfahren so viel von der Welt sehe. Bikepackingtrips und Fahrradurlaube gehören für mich genauso dazu wie kleine Feierabendrunden und Fahrten zur Eisdiele.