Das Kompaktrad: Kleine Räder, große Vorurteile
Bei meiner ersten Fahrt dachte ich: Hoffentlich sieht mich keiner. Heute fahre ich damit freiwillig durchs Dorf. So viel zu Vorurteilen.
Lisa Augustin
Genussbikerin
Zuletzt geändert:20.08.26
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Ich bin ganz ehrlich: Kompakträder habe ich lange nicht so ganz ernst genommen.
Ich fahre Mountainbike, Rennrad, Gravelbike - eigentlich alles ohne Motor und gerne sportlich. Fahrradfahren bedeutete für mich immer irgendwie auch Sport.
Als Robert Peschke meinte, ich solle das Kompaktrad unbedingt mal testen, den Kontakt zu i:SY hergestellt hat und wenig später ein i:SY N3.8 ZR by Sadkowsky | Design Edition zum Testen bei mir im Hof stand, war mein erster Gedanke in etwa:
Okay. Sehr kleine Räder. Interessante Sitzposition. Schauen wir mal.
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Und dann stand es erst einmal. Zwei Wochen. In meiner Garage. Ich hatte ne Hemmschwelle und keinen Kopf für dieses Experiment.
Meine zweieinhalbjährige Nichte brachte meinen damaligen Blick auf das Rad ziemlich gut auf den Punkt:
„Kinderfahrrad!“
Meine Mama war etwas großzügiger und nannte es ein „modernes Bonanzarad“.
Und ich? Ich dachte bei meiner ersten Fahrt tatsächlich kurz: Hoffentlich sieht mich keiner.
Heute muss ich darüber ziemlich lachen. Über meine Vorurteile.
Und weil's da draußen so viele Vorurteile über Kompakträder gibt, dachte ich, ich schreib mal einen Blogbeitrag drüber.
Kompaktrad, Faltrad, Pedelec – ist das nicht alles dasselbe?
Nein. Und das ist schon das erste Vorurteil.
Kompaktfahrräder sind nicht automatisch Falträder bzw. Klappräder. Ein klassisches Faltrad besitzt einen Faltmechanismus, mit dem sich meist auch der Rahmen zusammenklappen lässt. Und trotzdem war von vielen immer die erste Frage: Kann man das auch falten? Es heißt ja ein „Kompaktrad“.
Nicht alles, was kompakt ist, ist auch faltbar! Meine Nichte ist auch kompakt. Trotzdem falte ich sie nicht zusammen.
Auch beim i:SY bleibt der Rahmen, wie er ist. Dafür lassen sich die Pedale einklappen und der Lenker drehen. Das Rad wird dadurch schmaler und lässt sich platzsparender abstellen oder transportieren – aber aus ihm wird kein kleines Paket wie aus einem klassischen Faltrad.
Mein Testbike gehört außerdem zu den Pedelecs. Der elektrische Antrieb unterstützt beim Treten bis zur für klassische Pedelecs üblichen Geschwindigkeit von 25 km/h. Danach bist du wieder selbst gefragt.
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Für mich übrigens ungewohnt: Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich vorher überhaupt E-Bike gefahren bin.
Vielleicht war genau das für diesen Test gar nicht schlecht.
Vorurteil Nr. 1: „Das sieht doch aus wie ein Kinderfahrrad.“
Okay. Erwischt.
Das war ziemlich genau mein eigenes Vorurteil.
Die kleinen Reifen fallen nun einmal auf. Und wenn du sonst Rennräder, Mountainbikes oder klassische Trekkingräder vor Augen hast, wirkt ein Kompaktrad erst einmal anders.
Und was anders aussieht, wird schnell belächelt. Wie überall im Leben.
Bei mir ging es so weit, dass ich auf meiner ersten Fahrt tatsächlich dachte: Hoffentlich sieht mich keiner.
Inzwischen? Steige ich drauf und fahre los. Egal, wer schaut.
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Ich glaube nämlich, das eigentliche Thema ist gar nicht, dass ein Kompaktrad schlecht aussieht. Es sieht nur anders aus als das Fahrradbild, an das viele von uns gewöhnt sind. Und deshalb nimmt man es im ersten Moment vielleicht weniger ernst.
„Ich sitze auf einem kompakten Rad und fühle mich trotzdem wie ein ganz großer.“
Dr. Robert Peschke, CEO bei Little John Bikes
Vorurteil Nr. 2: „Kleine Reifen bedeuten schlechtes Fahrverhalten.“
Das war eine meiner größten Überraschungen.
Meine bisher längste Fahrt lag bei ungefähr 30 Kilometern. Dabei war alles dabei: viel Asphalt, aber auch Schotter, Grasboden, Waldboden und ein paar richtig rumpelige Passagen.
Und ganz ehrlich?
Der Fahrkomfort hat mich positiv überrascht.
Ich hatte erwartet, dass die kleinen Reifen deutlich nervöser wirken und man jede Unebenheit sofort merkt. Genau das habe ich bei meinen Fahrten aber nicht so empfunden.
Beim i:SY kommen die breiten Reifen, der vergleichsweise lange Radstand und der tiefe Schwerpunkt zusammen. Der Hersteller gibt sogar an, dass der Radstand dem eines klassischen 28-Zoll-Fahrrads entspricht. Das trägt zur Stabilität bei, obwohl die Laufräder nur 20 Zoll groß sind.
Gleichzeitig sind die kleinen Räder ziemlich wendig. Gerade im Stadtverkehr oder auf engem Raum ist das ein echter Vorteil.
Wobei ich zugeben muss: An das enge Wenden musste ich mich erst einmal gewöhnen. Da kommt es mir manchmal noch wie ein Schiff vor.
Und sportlich in die Kurve legen, wie ich es vom Rennrad oder Mountainbike kenne? Das mache ich damit auch nicht.
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"Einmal hab ich versucht sportlich in die Kurve zu liegen. Ist aber nicht so einfach, wenn die Pedale so tief sind."
Lisa Augustin
Und muss ich mit 20 Zoll doppelt so viel treten?
Ich hatte auf einer Tour mit meiner Mutter genau diesen Eindruck.
Sie fährt ein 29-Zoll-E-Mountainbike und ich sitze daneben auf meinem kleinen i:SY. Subjektiv dachte ich zwischendurch: Ich trete hier doch doppelt so viel.
Ganz so einfach ist es technisch aber nicht, denn die Übersetzung gleicht die kleinere Laufradgröße entsprechend aus.
Der Hersteller beschreibt es so:
„Die angepasste Übersetzung sorgt für eine ganz normale Trittfrequenz, vergleichbar einem 28 Zoll Fahrrad.“ – i:SY
Was ich trotzdem merke: Das Fahrverhalten ist anders. Wenn große Laufräder einfach rollen, fühlt sich das für mich anders an als auf 20 Zoll.
Schlechter? Für meinen Einsatzzweck nicht.
Anders? Definitiv.
Vorurteil Nr. 3: „Das ist doch höchstens etwas für den Weg zum Bäcker.“
Ausgerechnet der Bäcker war schuld daran, dass mein Test überhaupt richtig angefangen hat.
Der ist bei mir ungefähr zehn Minuten zu Fuß entfernt. Und ich bin Schwäbin: Für diese Strecke das Auto anzumachen, sehe ich einfach nicht ein.
Normalerweise laufe ich. Zehn Minuten hin, zehn zurück. Bewegung inklusive.
Aber irgendwann musste es schnell gehen. Da fiel mein Blick auf das i:SY, welches bei mir vor Kurzem eingezogen ist.
Also: Jeans an, normale Schuhe, draufgesetzt und los.
Und plötzlich hat es Klick gemacht. Danach bin ich immer öfter damit zum Bäcker gefahren, zur Baustelle oder habs für andere kurze Wege genutzt.
Und irgendwann eben auch 20 oder 30 Kilometer.
Für Pendler, die morgens ins Büro müssen, kann genau diese Einfachheit einer der großen Vorteile sein: kein Sport-Outfit, keine Fahrradschuhe, kein großes Ritual.
Einsteigen. Losfahren.
Gerade im Stadtverkehr kann ich mir das richtig gut vorstellen. Kurze Wege, viel Stop-and-go, wenig Platz und vielleicht keine Lust, ständig das Auto zu nehmen. Aber ich wohn halt auf dem Dorf. Drum kann ich da nur mutmaßen.
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Einfach mal ausprobieren
Du bist noch skeptisch? Perfekt – dann hilft eigentlich nur eins: Probefahren. In einer Little John Bikes Filiale kannst du dir selbst ein Bild davon machen, wie sich ein Kompaktrad fährt, wie wendig es ist und ob Sitzposition, Komfort und Handling zu dir passen. Denn am Ende sagen zehn Vorurteile weniger aus als zehn Minuten auf dem Rad zu sitzen.
Vorurteil Nr. 4: „Ein Kompaktrad ist automatisch superleicht.“
Nein.
Hier kommen wir zu einem der Nachteile, die ich nicht schönreden möchte.
Mein Test-i:SY empfinde ich als schwer.
Fairerweise: Ich komme aus der sportlichen Fahrradecke. Für mich beginnt „schwer“ gefühlt schon kurz oberhalb von zehn Kilogramm.
Das i:SY bringt E-Antrieb, Akku, stabilen Rahmen und Gepäckträger mit. Das sorgt für Robustheit und Stabilität, macht sich beim Tragen aber natürlich bemerkbar.
Und deshalb würde ich auch nicht unbedingt sagen: Kompaktrad = perfekt für jede Treppe.
Wenn ich am Bahnhof mein Rennrad über die Schulter werfen und schnell die Stufen runterlaufen muss, funktioniert das.
Beim i:SY? Andere Hausnummer.
"Das Kompaktrad ist aber auch nicht für's Bike & Hike gemacht."
Lisa Augustin
Kompaktrad in Bahn, Kofferraum und anderen Verkehrsmitteln
Genau das muss man beim Thema Mobilität unterscheiden. Kompakt bedeutet zunächst einmal: Das Rad braucht weniger Raum. Beim i:SY lassen sich beispielsweise Lenker und Pedale so verändern, dass es schmaler abgestellt werden kann. Das ist praktisch in Garage, Hausflur oder – je nach Größe des Autos – beim Transport im Kofferraum.
Aber: Es bleibt ein Kompaktrad und wird nicht plötzlich zum Faltrad. Das ist auch für die Kombination mit anderen Verkehrsmitteln wichtig.
In der Bahn gilt nicht pauschal: 20 Zoll = kostenloses Handgepäck. Bei der Deutschen Bahn können tatsächlich zusammengeklappte Falträder wie Gepäck behandelt werden. Ein nicht faltbares Kompaktrad ist dadurch aber nicht automatisch dasselbe. Je nach Zug und Verkehrsverbund solltest du die Regeln zur Fahrradmitnahme vorher prüfen.
Für Pendler, die ihr Fahrrad jeden Tag mehrere Treppen hoch- und runtertragen müssen, würde ich deshalb immer empfehlen: Gewicht und Handling unbedingt selbst testen.
Vorurteil Nr. 5: „Das Rad passt doch nie mehreren Personen.“
Und genau hier kommt für mich einer der größten Pluspunkte von Kompakträdern: Flexibilität.
Das i:SY steht bei uns – und mein Mann steigt einfach drauf und fährt.
Natürlich habe ich den Sattel auf mich eingestellt. Aber Lenker und Sattel lassen sich schnell anpassen, und das One-Size-Konzept ist darauf ausgelegt, mit unterschiedlichen Körpergrößen zu funktionieren. Für besonders große Fahrerinnen und Fahrer gibt es beim Hersteller zusätzlich XXL-Varianten.
Das kenne ich von meinen Sportfahrrädern völlig anders. Mit einem Mountainbike in Größe L kann ich einfach nicht fahren. Da schaff ichs nicht mal zu bremsen.
Beim Kompaktrad ist die Anpassung viel unkomplizierter. Deshalb könnte ich mir so ein Bike für uns tatsächlich als Familienrad vorstellen: ein Fahrrad, das mehrere Menschen nutzen können.
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Und das ist eine Form von Mobilität, über die ich vorher ehrlich gesagt nie nachgedacht hatte.
Vorurteil Nr. 6: „Ein richtiges Fahrrad muss sportlich sein.“
Ja, auch eines meiner persönlichen Vorurteile.
Fahrradfahren bedeutet für mich normalerweise Sport. Radlerhose. Fahrradschuhe. Klickpedale. Und los!
Wenn ich mein Mountainbike oder Rennrad hole, dann will ich fahren.
Beim i:SY ist es komplett anders.
Wenn ich in Jeans bin und einfach schnell irgendwohin möchte, greife ich mittlerweile immer öfter zum Kompaktrad.
Und genau das macht für mich den Unterschied:
Es konkurriert gar nicht unbedingt mit meinem Rennrad oder Mountainbike.
Es konkurriert eher mit dem Auto und mit dem Zu-Fuß-Gehen.
"Fahrradfahren ist nicht nur Sport. Es kann auch praktisch sein."
Lisa Augustin
Die echten Vorteile und Nachteile eines Kompaktrads – nach meinem Test
Nach einigen Wochen würde ich die Sache ziemlich einfach zusammenfassen.
Die Vorteile: Das Rad ist unkompliziert, wendig, flexibel einstellbar, praktisch für kurze und mittlere Alltagswege und kann problemlos von mehreren Menschen genutzt werden. Der tiefe Einstieg, die aufrechte Position und der Gepäckträger machen vieles angenehm, worüber ich bei meinen Sportfahrrädern normalerweise gar nicht nachdenke.
Und die Nachteile?
Für mich ganz klar das Gewicht. Dazu kommt ein Fahrgefühl, das sportliche Fahrerinnen und Fahrer erst kennenlernen müssen. Wer möglichst aggressiv Kurven fahren, sein Bike ständig über die Schulter werfen oder ein Fahrrad auf winzigstes Maß zusammenfalten möchte, sucht wahrscheinlich etwas anderes.
Und das ist okay.
Ein Kompaktrad muss nicht alles können.
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Für wen ist ein Kompaktrad ideal?
Für Menschen, die ein unkompliziertes Alltagsrad suchen.
Für Pendler.
Für Stadtmenschen.
Für Haushalte, in denen mehrere Personen dasselbe Fahrrad nutzen.
Für alle, die Einkäufe oder andere Dinge auf dem Gepäckträger transportieren möchten.
Und für Menschen, die ihre alltägliche Mobilität flexibler gestalten wollen, ohne jede Fahrt gleich zum Sportprojekt zu machen.
Bei mir auf dem Dorf ersetzt das Kompaktrad das Auto nicht komplett. Zum nächsten großen Supermarkt sind es ungefähr 15 Kilometer. Einen größeren Einkauf mit dem Fahrrad zu machen, kostet dann eben auch Zeit.
Würde ich mitten in der Stadt wohnen, sähe das sicher anders aus.
Und natürlich spielt auch der Preis eine Rolle. Deshalb lohnt es sich, verschiedene Modelle und Hersteller anzuschauen und auch die aktuellen Angebote bei Little John Bikes im Blick zu behalten.
Vor allem aber sollte man eines tun:
Probefahren.
Little Reminder
Ich habe dieses Fahrrad belächelt.
Meine Nichte nannte es Kinderfahrrad. Meine Mama modernes Bonanzarad. Ich ließ es zwei Wochen in meiner Garage stehen und dachte bei der ersten Fahrt:
Hoffentlich sieht mich keiner.
Und jetzt fahr ich fast täglich damit.
Wir machen das im Leben schließlich ständig: Wir sehen etwas oder jemanden, finden es ungewohnt und haben erstaunlich schnell eine Meinung dazu.
Und dann steckt dahinter plötzlich etwas ganz anderes, als wir gedacht haben.
Mein wichtigster Tipp bei Kompakträdern besteht deshalb aus genau zwei Wörtern:
Fahr damit.
Leih dir eine Runde bei jemandem, der schon eins fährt, oder probiere ein Kompaktrad in einer Little John Bikes Filiale aus.
Danach darfst du dir immer noch eine Meinung bilden. Meine hat sich jedenfalls ziemlich geändert.
PS: Unser CEO Dr. Robert Pescheke nimmt dieses Jahr sogar mit einem i:SY an der E‑Bike-WM in Ischgl teil. Falls ihr dabei seid - grüßt ihn von mir.
Mehr über die Autorin
Lisa Augustin
Genussbikerin
Ich bin Lisa Augustin aus dem Schwabenländle, 32 Jahre jung, und ohne Kaffee läuft hier gar nichts. Früher Softwareentwicklerin, heute SEO-Expertin mit eigenem Fahrradblog (LisasBunteWelt). Ich fahre alles mit Pedalen – ob Rennrad, Gravelbike, Hardtail, Fully oder Indoor auf der smarten Rolle – einfach, weil es mir Spaß macht und ich beim Radfahren so viel von der Welt sehe. Bikepackingtrips und Fahrradurlaube gehören für mich genauso dazu wie kleine Feierabendrunden und Fahrten zur Eisdiele.
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